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Einweihung
Schmölen-Villa ist jetzt ein Behinderten-Wohnhaus
Menden, 30.10.2009, Michael Koch
Menden. Es ist geschafft: Aus der Schmölen-Villa ist die Villa Dominik geworden. Am Sonntag ziehen die Bewohner in das Wohnhaus für Behinderte am Hönnenwerth ein. Am Freitag war zunächst Feiern angesagt: Die neue Einrichtung des Vereins für körper- und mehrfachbehinderte Menschen wurde eingeweiht.
Launig war seine Ansprache, versehen mit allerlei kleinen Witzen und Spitzen. Doch an einem Punkt merkte man Heribert Krause — dem Vorsitzenden des Vereins, der kurz vorher noch gesagt hatte, dass er als starker Mann natürlich keine Rührung zeigen könne — dann doch an, wie bewegt er war. Und zwar, als er über seinen schwerstbehinderten Sohn Dominik sprach, der vor drei Jahren und zehn Monaten kurz nach der Eröffnung des ersten Wohnheims an der Solingstraße verstorben war.
Verstorbener Sohn fehlt
„Unser Sohn war eine Herausforderung für uns, die toll war. Und es ist schade, dass wir sie plötzlich aufgeben mussten. Wir hätten sie gerne noch weiter gehabt. Er fehlt uns”, sagte Heribert Krause gestern vor mehr als 100 Gästen bei der Einweihungsfeier. Aber Dominik habe ihm und seiner Frau eine Aufgabe mitgegeben, die sie nun erfüllen könnten: Ein weiteres Haus zu schaffen, in dem schwerstbehinderte Menschen leben und sich wohlfühlen können. Und dieses trägt nun den Namen von Dominik.
Alles andere als Luxus
20 Plätze für Behinderte gibt es in dem Behindertenwohnheim — und zwar in nicht-alltäglicher Atmosphäre. Die mehr als 100 Jahre alte Villa ist für die Bedürfnisse der Behinderten umgebaut worden, hat aber ihren historischen Charme nicht verloren. Für Marie-Ellen Krause, 2. Vorsitzende des Vereins, ein wichtiger Punkt: Gerade für die Schwerstbehinderten, die nicht einfach verreisen könnten, sei ein schönes Wohnumfeld alles andere als Luxus.
24-Stunden-Betreuung
Marie-Ellen Krause plädierte eindringlich, dass es trotz aller Bestrebungen im Gesundheitswesen, das Prinzip „ambulant statt stationär” zu verfolgen, immer noch großen Bedarf für Häuser wie die Villa Dominik gebe: „Es gibt Behinderte, die eine 24-Stunden-Betreuung brauchen.” Und erst wenn es ortsnahe Lösungen gebe, seien viele Eltern auch bereit loszulassen und ihre Kinder in solche Wohneinrichtungen ziehen zu lassen.
Loslassen können
In diese Richtung argumentierte auch Aribert Reimann, Vorsitzender des Bundesverbands für körper- und mehrfachbehinderte Menschen, der zur Einweihung extra aus Flensburg angereist war. Reimann ist selbst Vater eines schwerstbehinderten Sohnes. Sehr plastisch sprach er davon, dass es kein einfacher Tag sei, wenn man sein behindertes Kind in ein Wohnheim ziehen lasse: „Aber behinderte Kinder haben das gleiche Recht wie nicht-beeinträchtigte, irgendwann das Elternhaus verlassen zu dürfen.”
Unorthodoxe Mittel
Für Landrat Thomas Gemke ist die Villa Dominik eine Einrichtung, „die Maßstäbe setzt, was für behinderte Menschen getan werden kann.” In das gleiche Horn blies Bürgermeister Volker Fleige: Das neue Haus sei ein Beispiel für Menden und die Gesellschaft allgemein im Umgang mit Behinderten.
Haus für Menschen
Sehr zufrieden war auch Architekt Wolfgang Luig: „Das Haus wird wieder das, als dass es vor 100 Jahren gebaut wurde: Ein Haus für Menschen.” Viele hätten ihn gefragt, wie denn die Zusammenarbeit mit dem als nicht immer einfach geltenden Vereinsvorsitzenden verlaufen sei, wie er denn nun so sei: „Ich kann nur sagen, er ist klasse gewesen. Seine Mittel waren mitunter etwas unorthodox, aber er hat immer das Wohl des Hauses im Blick.”
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Kommentar
Ehrenamtliche Herkulesaufgabe
Wenn über bürgerliches Engagement in Menden geredet wird, dann denkt man sofort an die Leitmecke, an das Engagement der Sportvereine beim Bau der Kunstrasenplätze oder jüngst auch an die Bürgerbewegung für den Bahnhof. Ganz oben auf diese Liste gehört aber auch das Wirken des Vereins für körper- und mehrfachbehinderte Menschen. Zwei Wohnhäuser binnen vier Jahren mit Millionen-Investitionen zu stemmen, das ist eine Herkulesaufgabe, die nur auf wenige ehrenamtliche Schultern verteilt war. Zu Recht ist der Vereinsvorsitzende Heribert Krause gestern bei der Eröffnung als nicht immer einfach und pflegeleicht charakterisiert worden. Wäre er ein geschmeidiger Leisetreter, gäbe es aber wohl auch die beiden Häuser nicht. Gar nicht hoch genug einzuschätzen ist allerdings auch die Rolle seiner Frau Marie-Ellen.
Michael Koch
Einweihung 30. Oktober
Umbau fast fertig: Grohe-Villa wird zu Behinderten-Haus
Menden, 03.10.2009, Michael Koch
Menden. Zeitweise arbeiten bis zu 25 Handwerker gleichzeitig auf Hochtouren. Ihr Ziel: Am 30. Oktober muss alles fertig sein, denn dann soll die aufwändig umgebaute Grohe-Villa am Hönnenwerth als neues Behindertenwohnhaus „Villa Dominik” eröffnet werden.
Ein Zimmer wird sogar eine eigene kleine Küchenzeile erhalten. „Hier zieht eine Bewohnerin aus unserem Haus an der Sollingstraße ein”, sagt Marie-Ellen Krause, die zweite Vorsitzende des Vereins für körper- und mehrfachbehinderte Menschen. „Sie will selbständiger werden und versuchen, sich selbst etwas zu kochen. Sie will auch allein in die Stadt gehen können. Wir wollen es ausprobieren.” Die 1910 erbaute Villa am Hönnenwerth bietet die Möglichkeit, behinderten Menschen diese Freiräume zu ermöglichen.
Abbildung: Spendenübergabe -
Vikar Hendrik Luicke und Thomas Ulferts von der St.-Aloyisus-Gemeinde Oesbern überreichten gestern vor der Villa Dominik den Erlös des Pfarrfests an Heribert Krause, Marie-Ellen Krause und Gerhard Havermann vom Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte (v.l.).
Vor einem Jahr hatte der Verein, der bereits ein Wohnhaus an der Sollingstraße betreibt, mit den Umbauarbeiten begonnen. Und von innen ist das Haus tatsächlich kaum wiederzuerkennen. Die Zimmer sind für die Bedürfnisse der 20 Behinderten, die hier wohnen werden, nach den Plänen von Architekt Wolfgang Luig umgebaut worden. Allerdings ist auch viel Historisches zu sehen. Mehr sogar noch als zuvor, denn einige abgehängte Decken wurde entfernt, so ist im Eingangsbereich jetzt wieder ein Gewölbe sichtbar.
Was auffällt: Kein Zimmer ist wie das andere. Entsprechend dem historischen Zuschnitt sind sie alle unterschiedlich, aber nun für Behindertenbetreuung ausgelegt. Im „Herrenzimmer”, wo früher die Industriellen Zigarren geraucht und Cognac getrunken haben, ist nun Platz für einen Rollstuhlfahrer. Das von außen denkmalgeschützte Haus hat zudem an einer Seite einen großzügigen Balkon erhalten. „Das war ein Kompromiss mit der Denkmalbehörde”, so Vorsitzender Heribert Krause.
Wenig Spenden
Die Finanzierung des Projekts mit einem Investitionsvolumen von etwa 2,5 Millionen Euro ist zwar gesichert, zusätzliche Angebote für die Behinderten müssen aber durch Spenden finanziert werden. Und da stockt der Zufluss derzeit, wie Marie-Ellen Krause berichten muss: „Manche denken offensichtlich, dass es Luxus ist, dass wir hier eine Villa zum Behinderten-Wohnhaus umbauen.” Aber dies sei nicht der Fall. Da es sich bei dem Areal am Hönnewerth um Mischgebiet handele, sei der Umbau günstiger gewesen, als der Kauf eines Grundstücks und der Neubau an anderer Stelle. Zudem sei das besondere Umfeld gut und wichtig für die Schwerstbehinderten: „Sie haben sonst wenig im Leben.”
Oesberner Christen spendabel
Da der Spendenfluss derzeit stockt, war der Verein umso erfreuter, dass die St.- Aloysius-Gemeinde Oesbern gestern 500 Euro überreichte, den Erlös des Pfarrfests. Vikar Henrick Luicke und Thomas Ulferts von der Gemeinde übergaben den Betrag. Einstimmig sei im Pfarrgemeinderat beschlossen worden, das Projekt zu unterstützen.
Noch sind einige Plätze für Rollstuhlfahrer in dem Haus, das Ende des Monats mit vielen Gästen eingeweiht werden wird, frei.